Wenn die Doktorhüte nicht mehr fliegen

Im Jahr 2016 sorgte die University of East Anglia im ostenglischen Norwich nicht nur in Großbritannien für Schlagzeilen. Die Hochschule, die zu den jüngeren des Landes gehört, entschied sich dazu, ihren Absolventen auf der Abschlussfeier das symbolhafte Hochwerfen ihrer Doktorhüte zu untersagen. Zu hoch sei das Risiko von Verletzungen durch herabfallende Hüte. Jedes Jahr käme es dadurch zu ernsthaften Verletzungen.

Wurf mit Tradition

Der Hutwurf gehört in vielen Ländern, vor allem aber im englischsprachigen Raum, für Studenten diverser Abschlüsse zur traditionellen Abschlusszeremonie. Das Ritual geht womöglich auf den „Hat Toss“ bei der US Naval Academy zurück. Deren Absolventen erreichen nach ihrem Abschluss höhere Dienstgrade und tragen deshalb neben neuen Schulterklappen fortan auch eine andere Kopfbedeckung. Der alte Hut wird dann nicht mehr benötigt und kann getrost „weggeworfen“ werden. Die Tradition des Hutwurfs, die es an der Marineakademie bereits seit Anfang des letzten Jahrhunderts gibt, fand über die Jahrzehnte ihren Weg in die zivilen Universitäten Amerikas und anderer Länder. So ist das Foto, das die verabschiedeten Absolventen, ihre Hüte in die Luft werfend, zeigt, zum Symbol für den Studienabschluss schlechthin geworden.

Der Computer soll es richten

Damit die stolzen Absolventen der University of East Anglia und ihre Angehörigen nicht auf das traditionelle Foto mit den fliegenden „Graduation Caps“ verzichten müssen, hat sich die Universität in der britischen Grafschaft Norfolk etwas überlegt: Die Studierenden werden gebeten, das Werfen der Hüte lediglich anzudeuten, sodass die fliegenden Kopfbedeckungen später digital über den Köpfen der freudigen Menschenmenge eingefügt werden können.

Der selbstgebastelte Doktorhut – zum Fliegen zu schade

Wer zu seiner Dissertation einen von den Wegbegleitern liebevoll gestalteten Doktorhut geschenkt bekommt, wird zumindest im nüchternen Zustand wohl kaum auf die Idee kommen, seinen fragilen Doktorhut zu werfen. Vielleicht kann man sich an der eigentümlichen Vorgehensweise der besorgten Universität dennoch etwa abschauen: Ein Foto mit einem fliegenden Hut können hierzulande schließlich nicht viele Doktoren vorweisen. Warum sollte man also nicht auch einmal versuchen, einen Hut in ein gestelltes Fotos zu retuschieren?