Die Geschichte des Doktorhuts

Doktorhüte haben eine lange Tradition. Während der Hut heute eigentlich nur noch am Tag der Verteidigung als Gag zur erfolgreichen Promotion getragen wird, war der Doktorhut über Jahrhunderte ein von Akademikern im Universitätsalltag getragenes Kleidungsstück.

Die Ursprünge

Die Forschung geht davon aus, dass sich der Doktorhut von den Kopfbedeckungen kirchlicher Würdenträger abgeleitet hat. Dies gilt zum einen für die Tradition, als Gelehrter eine spezifische Kopfbedeckung zu tragen. Aber auch die äußere Erscheinung der heute üblichen Hüte ist wahrscheinlich von den „Birett“ genannten Kopfbedeckungen christlicher Geistlicher abgeleitet. Vor allem bei Kardinälen kennt man sie noch heute als Teil ihrer scharlachroten Amtstracht.

„Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“

1967 enthüllten zwei Studenten während einer Rektoratsübergabe an der Universität Hamburg ein Transparent mit den bekannten Worten: „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“. Damit wollten sie einerseits auf eine ihrer Meinung nach unzureichende Aufarbeitung der NS-Diktatur (1000-jähriges Reich) aufmerksam machen. Andererseits spielten sie mit ihrem Protest auf die damals konservative Hochschulpolitik an. Dabei waren die Talare nicht allein metaphorischer Natur: Die anwesenden Professoren waren tatsächlich in Talare gekleidet und ihre überraschten Gesichter waren von Doktorhüten eingefasst.

Seit den Studentenbewegungen der Sechzigerjahre gelten die traditionellen akademischen Kleidungen als verpönt. Aus diesem Grund wird die Tradition derartiger Bekleidungen heute vielerorts nicht mehr offiziell fortgeführt. Jedoch ist es üblich, dass ein Doktorand nach bestandener Prüfung einen Hut durch seine Kollegen und Weggefährten erhält. Diese Hüte sind meist wenig prunkvoll, dafür mit viel Liebe selbstgebastelt und passend dekoriert. Dennoch gibt es einige Universitäten, die Abschlussfeiern nach amerikanischem Vorbild abhalten. Wie in den USA werden dort auch häufig Bachelor- und Masterabsolventen mit Doktorhüten und Talaren ausgestattet.

Das „Mörtelbrett“ – der Doktorhut von heute

Beim Wort „Doktorhut“ denken daher heute die meisten an das Kleidungsstück, das Absolventen anglo-amerikanischer Universitäten am Tag Ihrer Zeugnisverleihung tragen. Derartige Hüten werden mit einem Augenzwinkern „Mortarboard“ genannt, da die viereckigen Platte auf der Kappe an das Mörtelbrett eines Maurers erinnert.